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Materialkunde Besteck

Materialkunde Besteck
Vor 2 Monaten

Die Gabeln liegen links, die Messer rechts. Schneiden zeigen nach innen, die Zinken nach oben. Alles klar! Der Suppenlöffel wird mit der rechten Hand geführt, also liegt auch der rechts. O. k. ... (war das nicht mal anders?). Der kleine Löffel liegt über dem Teller. Bei Bedarf werden alle gebräuchlichen Zangen nach links, alle Sondergabeln und Sonderlöffel nach rechts sortiert, Gourmet- und Sorbet-Löffel aber erst nach den Hauptspeisen. Soweit alles klar?!

Jetzt dürfen aber rechts nie mehr als vier und links nie mehr als drei Besteckteile liegen und oben meist zwei, aber nie mehr als drei, und wenn Linkshänder speisen, ist sowieso alles anders herum.

Wenn Sie jetzt ein bisschen verwirrt sind, macht das gar nichts: Zeit sich das Besteck, welches so wunderbar aufgereiht vor Ihnen liegt, mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Aus der Höhle an den Gürtel

Besteck ist wahrscheinlich das unpopulärste Werkzeug für die Nahrungsaufnahme. Weitaus mehr Menschen auf dieser Welt bevorzugen Stäbchen (1,2 Mrd.) und die eigenen Finger (4,2 Mrd.). Das Besteck, welches wir heutzutage benutzen, besteht primär aus Gabeln, Messern und Löffeln in den verschiedensten Ausführungen. Auch, wenn dieses Besteck-Line-Up sich in der Breite erst im 19. Jahrhundert in Europa durchgesetzt hatte, sind die ersten Hinweise auf Essbesteck schon in der Steinzeit zu finden.

Das Messer diente bis bis in die Neuzeit nicht als Ergänzungswerkzeug zur Gabel, sondern wurde nur dazu genutzt, sein Mahl in mundgerechte Stücke zu zerkleinern, die dann mit den Fingern verspeist wurden. Lange Zeit wurde das Besteck auch dazu benutzt, "seinem Konversationsbeitrag mehr Nachdruck zu verleihen". Artete etwa die Konversation am französischen Hof unter Ludwig dem XVI. ein wenig aus, kam es nicht selten vor, dass mit dem Messer dem eigenen Standpunkt auch deutlich mehr Nachdruck verliehen wurde. Aus diesem Grund ließ König Ludwig schließlich die Spitzen der Messer abrunden. Sowohl die abgerundete Messerform des Tafelmessers, als auch das Verbot durch den Knigge, Besteck als "Gesten-Verlängerer" zu benutzen, ist bis heute erhalten geblieben.

Erste Löffel wurden in der Steinzeit aus Knochen und später auch aus Holz hergestellt. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich das Kunsthandwerk des Löffelmachers und Löffel aus Edelmetallen wurden zum Luxusgegenstand und Erbstück. Hierher rührt auch der Ausdruck "den Löffel abgeben": Der Löffel blieb bis in die Neuzeit wertvolles Erbstück.

Messer und Löffel gehörten auch schon im alten Rom zu der persönlichen Grundausstattung und wurden bis ins späte Mittelalter am Gürtel getragen. Diese Teile waren zusammensteckbar und gaben dem Besteck seinen heutigen Namen.

Die Gabel als Werkzeug der Nahrungsaufnahme setzte sich in Europa erst spät durch. Unter anderem auch deswegen, da sie von der Kirche als Werkzeug des Teufels verrufen wurde. So sprach Luther schon 1518: "Gott behüte mich vor dem Gäbelchen". Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts und nachdem schließlich der Gastgeber das Besteck bereitstellte, setzte sich auch die Gabel als Teil des Essbestecks durch.

18/10 und 925er Sterling - das Material heute

Das Besteck, welches Sie heutzutage kaufen können, besteht entweder aus Chromstahl, Edelstahl (Chromnickelstahl), silberlegiertem Edelstahl oder aus massivem Silber bzw. Sterling Silber:

Chromstahl besteht aus 83 % Stahl und 17 % Chrom und ist magnetisch, nicht rostbeständig und wird oft bei Billigbesteck eingesetzt. Unter anderem wurden die erstaunlich leichten Münzen der DDR ebenfalls aus Chromstahl hergestellt.

Edelstahl ist der Grundwerkstoff der meisten Bestecke. Der auch unter dem Namen Chromnickelstahl oder 4301 bekannte Werkstoff enthält im Gegensatz zum Chromstahl 8 - 10 % Nickel, welches das Material rostbeständig und werden lässt. Die Markierung "18/10", welche oft auf Edelstahl zu finden ist, weist also auf die enthaltenen 18 % Chrom und 10 % (Obergrenze) Nickel hin.

Edelstahl ist oft auch das Grundmaterial, aus dem versilbertes Besteck hergestellt wird. Auf 24 Besteckteile wird im Endeffekt eine dünne Silberschicht von 40 bis zu 120 Gramm aufgetragen.

800er Massivsilber besteht aus 800 Teilen Silber und 200 Teilen Kupfer. Es hat durch den hohen Kupferanteil einen leicht rötlichen Stich und wird oft zusätzlich reinversilbert, um dem Besteck einen klareren Glanz zu verleihen. 925er Sterlingsilber ist zusammengesetzt aus 925 Teilen Silber und 75 Teilen Kupfer. Das Kupfer im Silber wird benötigt, um dem Material die nötige Härte zu geben.

Von rostendem Besteck aus Chromstahl ist also dringend abzuraten. Die meiste Ware auf dem Markt wird aus Edelstahl hergestellt und für den gehobenen Anspruch kann auf massives bzw. Sterling Silber wie beispielsweise das Sortiment der deutschen Silbermanufaktur Robbe & Berking zurückgegriffen werden.

Material-Trends

Die Entwicklung im Bereich Edelstahl-Material und Legierungen ist keinesfalls bereits abgeschlossen, sondern wird immer weiter voran getrieben. So stellte WMF kürzlich seine neue Reihe "Cromargan protect" vor. Das thermochemische Veredelungsverfahren, welches hier zum Einsatz gebracht wird, gibt dem Besteck eine besondere Kratzfestigkeit. Das Edelmetall wird im Vakuumofen auf über 1.000 Grad erhitzt und unter Druck Stickstoff zum Grundmaterial hinzugefügt. Die Oberfläche des Bestecks ist durch dieses Verfahren besonders spurenresistent und Besteck sieht auch nach langer Benutzung wie neu aus.

Es ist wohl zu erwarten, dass auch andere Hersteller ihren Materialmix weiterentwickeln und so auf lange Sicht auch preislich dem Besteck-Benutzer wieder entgegenkommen. Fürs Erste hat hier aber WMF die Nase vorne.

Herstellung

Um aus den großen Edelstahlplatten der Materialhersteller feines Besteck herzustellen, braucht es in der Fertigung eine Menge Arbeitsschritte, viel Sorgfalt und vor allem ein oberstes Reinheitsgebot. Zunächst werden aus den Platten verschieden große Stücke - die späteren Besteckteile - herausgetrennt. Löffel und Gabeln sowie Monoblockmesser werden meist aus einem Stück Edelstahl hergestellt. Aus dem vorgeformten Metall wird beim Löffel die so genannte Laffe ausgewalzt und in Form gebracht, bei den Gabeln die Zinken ausgestanzt.

Nach einer gründlichen Reinigung des Werkstoffes geht es an die Dekorierung des Besteckstiels mit der gewünschten Verzierung. Seine endgültige Form erhält Besteck erst durch den Vorgang des Prägens. Hierbei wird das Material kalt und unter dem Druck von mehreren hundert Tonnen gepresst und erhält so seine ergonomische Form.

Neben dem Monoblockmesser existieren auch sogenannten Hohlheftmesser. Diese bestehen aus einem trichterähnlichen Heft und der Klinge, sind dementsprechend aufwendiger in der Produktion, gelten aber auch als hochwertiger. Die Schneide, die erst am Ende in das Heft eingesetzt wird, kann anders als beim Monoblockmesser speziell geschliffen und geschärft werden.

Besteck-Pflege

Damit Ihr Besteck lange seinen ursprünglichen Glanz, Zustand und Qualität behält, sollte man bei der Benutzung und der Reinigung in der Spülmaschine ein paar Dinge berücksichtigen:

Besteck sollte nach dem Benutzen von groben Speiseresten gereinigt werden, damit diese kochsalz- und säurehaltigen Rückstände sich nicht auf das Metall auswirken.

Das Besteck sollte unsortiert eingeordnet werden und die Griffe in der Spülmaschine nach unten zeigen. Das Besteck nach dem Spülen in der Spülmaschine nicht zu lange dem heißen Dampf aussetzen und relativ schnell ausräumen. Wenn nötig noch nasses Besteck per Hand abtrocknen. Silber sollte niemals zusammen mit Edelstahl in einer Maschine gewaschen werden.

Wenn Sie ihr Tafelsilber selten nutzen, können Sie das Anlaufen dadurch vermeiden, dass Sie ein Stück Kreide mit in die Besteck-Schublade legen. Um das Silber wieder so richtig auf Hochglanz zu bringen, gibt es circa ein paar Hundert verschiedene Hausrezepte. Vom Kochen im heißen Kartoffelwasser oder in einer mit Alupapier gefüllten Kochsalzlösung bis hin zu der Politur aus Zahnpasta lassen sich recht viele, mehr oder weniger brauchbare Hinweise zur Pflege finden. Sie können aber auch auf herkömmliche Spezialreiniger für Silber aus dem Fachhandel zurückgreifen. Weitere Informationen gibt es auf unserer Pflegeseite.

Warum also Besteck?

Besteck ist gleichsam Kultur- und Alltagsgegenstand. Ein jeder benutzt und braucht es täglich. Es sei denn, man verzichtet lieber und isst mit Stäbchen oder den Fingern. Wie sagte im 17. Jahrhundert schon der Satiriker Johann Michael Moscherosch: "Ich esse wie ein redlicher bayrischer Schwab, wozu solln mir denn sonst die Finger?" Für alle, die ihren Tisch aber traditionell decken, ist die Wahl des Bestecks und das Wissen über dieses natürlich wichtig..

Veröffentlicht in: Ratgeber